Jedes neue Möbelstück ist für unsere Katzen ein großes Abenteuer. Nachdem wir die Bestellung aufgegeben haben, sind wir in Vorfreude, was sich in einer leicht gesteigerten Erregungslage zeigt. Wenn dann unsere Postbotin klingelt und das Paket übergibt, kommen neben dem Klingelgeräusch, den aufgeregten Kinderstimmen und den Geräuschen, die der Karton mitbringt, zusätzlich mehr Bewegung und fremde Gerüche ins Haus. Und damit habe ich noch nicht einmal von den Reizen gesprochen, die entstehen, wenn der Karton ausgepackt und der Kratzbaum aufgebaut wird.
Meistens schauen unsere Päppelbabys neugierig zu, wobei der Karton erst einmal am spannendsten ist. Levi jedoch ist vorsichtiger als die anderen und braucht mehr Zeit, um sich zu uns zu gesellen. Von einem erhöhten Regal überblickt er die Lage und wenn es ihm passt, geht er meist erst zu unserem Jüngsten, um seine Entdeckungen zu untersuchen. Unser Jüngster hat bereits ein gutes Gespür dafür entwickelt, wie er mit Levi umgehen kann, damit er sich vor der Knisterfolie, dem Papier oder anderen Teilen nicht erschrickt. Es ist wirklich schön anzusehen.
An anderer Stelle habe ich bereits geschrieben, warum Deine Katze Angst vor Neuem hat und auch, wie Du Deine Angstkatze besser verstehen kannst. Hier soll es darum gehen, wie Du ihr helfen kannst, sich leichter an neue Dinge zu gewöhnen.
Kurz und knapp: Wie gewöhnst Du Deine Katze an Neues?
Zerlege die neue Situation in Schritte, die so klein sind, dass jeder einzelne für Deine Katze machbar bleibt. Dabei veränderst Du immer nur eine Sache auf einmal, hörst früher auf, als Du denkst, und lässt Deiner Katze jederzeit die Möglichkeit wegzugehen. Reagiert sie angespannt, war der Schritt zu groß und Du gehst zurück, bis zu dem Punkt, an dem Deine Katze zuletzt entspannt war. Über viele solcher Situationen lernt Deine Katze ein Muster: Hier ist etwas anders, ich kann es in meinem Tempo prüfen, und am Ende geht es gut für mich aus.
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Was passiert im Kopf Deiner Katze, wenn sie Neues lernt?
Jede Katze hat einen Bereich, in dem sie handlungsfähig ist. Innerhalb dieses Bereiches kann sie schauen, prüfen, sich entscheiden und lernen. Übersteigt eine Situation diesen Bereich, schaltet sie sozusagen auf Autopilot um und reagiert nur noch. Ein Lernen findet in dem Moment nicht mehr statt.
Wenn Deine Katze wiederholt Erfahrungen sammelt, die unterhalb ihrer Reizschwelle bleiben, d.h. unterhalb des Punktes, an dem sie ansonsten fliehen würde, dann lernt sie, dass die entsprechende Situation für sie auszuhalten oder zu bewältigen ist.
Im Alltag summieren sich die Reize auf. Steigt das Erregungsniveau Deiner Katze weit genug, ist ihre Reizschwelle erreicht. Ab da zeigt sie ihr lang eingeübtes Standardverhalten für diese Art von Situation.
Jede Erfahrung, die unterhalb dieser Schwelle gelingt, verschiebt sie ein Stück weiter nach oben. Deine Katze wird also flexibler, indem sie oft genug etwas Unbekanntes als angenehm erlebt.
In der Arbeit mit Menschen wird dasselbe Prinzip als Toleranzfenster beschrieben. Der Begriff meint genau diesen Bereich, in dem jemand handlungsfähig bleibt. Das Prinzip gilt also artübergreifend, nur die Worte dafür sind verschieden.
Um einer unsicheren Katze helfen zu können, ist es sehr empfehlenswert, im Alltag zu erkennen, wo ihre Reizschwelle liegt.
Warum es Kindern leichter fällt, Neues zu lernen
Mit Einschränkungen und Ausnahmen kannst Du dasselbe Prinzip bei Kindern ebenfalls beobachten. Ein Kind erlebt ständig etwas zum ersten Mal. Wenn sein Umfeld sicher ist und es eine gute Rückmeldung bekommt, wird aus dem Unbekannten eine angenehme Lernerfahrung. Beim nächsten Mal geht es neugieriger und zuversichtlicher heran. Kinder mit neurodivergenter Wahrnehmung können dieselbe Situation allerdings als überfordernd erleben, auch bei bester Begleitung. Dann braucht dieses Kind ein sehr behutsames Vorgehen, ähnlich, wie ich es für Katzen beschreibe: kleine Schritte, viel Vorhersehbarkeit und die Möglichkeit, jederzeit auszusteigen.
Im Gegensatz zu Kindern werden Katzen deutlich seltener auf neue Situationen vorbereitet und erhalten insgesamt weniger Gelegenheiten, angenehme Erfahrungen zu machen. An dieser Stelle setzt Du an: Die Gelegenheiten, die Deiner Katze fehlen, kannst Du ihr geben.
Welche Haltung brauchst Du, bevor ihr loslegt?
Die Reizschwelle Deiner Katze gilt es niemals zu überschreiten. Wenn Du Deine Katze an etwas Neues heranführen willst, zerlegst Du die neue Situation in Schritte, die so klein sind, dass jeder einzelne von ihnen für Deine Katze machbar ist.
Jede Situation bietet Deiner Katze eine Chance zum Lernen. Die Frage ist, ob wir sie so niedrigschwellig gestalten, dass sie diese Chance auch nutzen kann. Das Erste, was Du dafür brauchst, ist die innere Haltung gegenüber den Situationen, die ohnehin jeden Tag bei euch stattfinden. Vier Dinge helfen Dir dabei:
Mache Dir bewusst, dass Deine Katze relevant ist. Eine Katze ist genauso ein Lebewesen mit Bedürfnissen, Gefühlen und Wünschen, wie wir Menschen auch. Wenn Du ihr dies zugestehst, begegnest Du ihr mit einer anderen Selbstverständlichkeit und gehst natürlicher in eure Übungen.
Höre früher auf, als Du denkst. Anstatt mehrere Minuten mit Deiner Katze an einer Sache zu feilen, reichen oft 1-3 Wiederholungen. Danach ist die Übung beendet, auch wenn sie gut läuft. Mit jeder Wiederholung lernst Du, die feinen Signale Deiner Katze zu lesen, und bis dahin schützt Dich der frühe Schlusspunkt davor, ihre Grenze zu überschreiten.
Lass Deiner Katze die Wahl, wegzugehen. Eine Katze, die jederzeit aus der Situation aussteigen und weggehen kann, wird über die Zeit länger bleiben und öfter mitmachen. Das klingt im ersten Moment widersprüchlich, aber es ist der zuverlässigste Hebel, den Du hast. Wer freie Wahl hat, sagt öfters „Ja.“
Sorge dafür, dass Dein Kind mit etwas Gutem verbunden ist. Futter, ein Spiel auf Abstand oder ein ruhiger Moment im selben Raum ohne Zwang zur Nähe helfen Deiner Katze dabei, Dein Kind mit angenehmen Dingen zu verbinden.
Welche offensichtlichen und subtilen Signale Deine Katze zeigen kann, wenn sie Angst hat und woran Du frühe Anspannung erkennst, findest Du in meinem Artikel über Angstkatzen verstehen.
Ein Beispiel aus dem Familienalltag
Nehmen wir eine Situation, die es in fast jedem Haushalt mit Kind regelmäßig gibt: Dein Kind bekommt ein neues Spielzeug. Vielleicht ist es größer als das bisherige, oder es macht Geräusche, bewegt sich oder blinkt einfach nur. Für Dein Kind ist es ein schöner Moment. Deine Katze bewertet jedoch in derselben Minute einen fremden Gegenstand, der Geräusche macht, die sie nicht einordnen kann, und der von einem Menschen bewegt wird, dessen Bewegungen ohnehin schwer vorherzusehen sind.
Diese Situation lässt sich sehr gut in kleine Schritte zerlegen.
Schritt 1: Zuerst liegt das Spielzeug einfach herum, ohne dass damit gespielt wird. Wenn möglich, packt ihr es an einem Ort aus, an dem Deine Katze weder schläft noch frisst und der für sie sogar relativ uninteressant ist. Dort lasst ihr es dann liegen. Zeige das Spielzeug Deiner Katze nicht und locke sie auch nicht dorthin. Beobachte sie auch nicht auffällig dabei, falls sie das Spielzeug einmal erkunden will. Geht sie an dem Spielzeug vorbei, ohne zu reagieren, hat sie bereits gelernt, dass es keine Bedeutung für sie hat bzw. ungefährlich ist.
Schritt 2: Danach verbindest Du das Spielzeug mit etwas Angenehmem. Leg ein paar Leckerli in die Nähe, und zwar so weit entfernt von dem Spielzeug, dass Deine Katze ohne zu zögern ihre Leckerli frisst. Zögert sie, schaut sich immer wieder um oder frisst nicht, war der Abstand zu gering. Diese Beobachtung zeigt Dir, wo die Reizschwelle Deiner Katze aktuell liegt.
Schritt 3: Verringere die Entfernung, sobald Deine Katze entspannt ist. Hat Deine Katze mehrmals entspannt ihre Leckerli gefressen, rücke das Futter ein paar wenige Zentimeter näher an das Spielzeug heran. Wechsle bitte nicht den Ort des Spielzeuges und hole auch noch nicht Dein Kind dazu. Wenn Deine Katze etwas Neues lernt, dürfen die Veränderungen immer nur an einer Stellschraube geschehen, um sie nicht zu überfordern. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass Deine Katze auf etwas reagiert, Du aber bei mehreren Veränderungen gleichzeitig nicht weißt, worauf genau sie reagiert hat.
Schritt 4: Als Nächstes kommt Bewegung dazu. Sobald das Spielzeug für Deine Katze uninteressant geworden ist, vergrößere wieder den Abstand zwischen Katze und Spielzeug, weil mit der Bewegung eine neue Anforderung dazukommt. Nimm es kurz in die Hand, mache eine Bewegung damit und lege es wieder an seine Stelle zurück. Zwei bis drei Wiederholungen genügen, danach beendest Du die Übung. Wenn Deine Katze das Spielzeug ignoriert, kannst Du die Bewegungen oder die Dauer der Wiederholungen variieren. Bitte mache noch keine Geräusche mit dem Spielzeug und lasse es auch noch nicht blinken. Das kommt dran, sobald Deine Katze mit den Bewegungen fein ist.
Schritt 5: Arbeite nun an der nächsten Eigenschaft. Sobald Deine Katze mit der Entfernung zum Spielzeug und der Bewegung kein Problem mehr hat, vergrößere wieder den Abstand zwischen Katze und Spielzeug, wie beim vorherigen Schritt. Wähle eine weitere Eigenschaft aus, die das Spielzeug mitbringt und für Deine Katze herausfordernd ist. Das kann das Blinken oder verschiedene Geräusche sein. Gehe wieder so vor, wie bei der Desensibilisierung der Bewegung.
Schritt 6: Zuletzt kommt Dein Kind dazu. Am Anfang ist Dein Kind nur im Raum, während Du die Schritte wiederholst, die Deine Katze schon kennt. Läuft das ruhig, darf Dein Kind aktiv werden und Leckerli verteilen oder das Spielzeug hinlegen, sich bewegen etc. Wichtig: Wähle immer eine Sache aus, an der ihr übt, damit Deine Katze nicht überfordert wird. Wenn diese eine Sache für Deine Katze ok ist, dann erst wähle die nächste Sache aus, an der ihr übt.
Schritt 7: Füge nun alles zusammen. Wenn Deine Katze in mehreren kleinen Schritten die einzelnen Situationen als ungefährlich kennengelernt und bewertet hat, beginnst Du damit, mehrere Eigenschaften miteinander zu kombinieren. Im Alltag wird Spielzeug auf vielfältige Weise verwendet. Das ist ein eigener Schritt und muss ebenfalls gelernt werden. Erst, wenn Deine Katze wirklich fein ist mit den unterschiedlichen Möglichkeiten, wie sie das Spielzeug erleben kann, kannst Du beginnen, ihr das Spielzeug an einem anderen Ort zu präsentieren. Dabei beginnst Du wieder von vorne und lässt sie erleben, dass auch an diesem Platz das Spielzeug ungefährlich ist.
Wenn ein Schritt nicht funktioniert, gehst Du zurück bis zu dem Punkt, an dem Deine Katze zuletzt entspannt war. Deine Katze hat Dir in diesem Moment mitgeteilt, dass die Aufgabe für sie zu groß war. Das ist eine hilfreiche Rückmeldung, denn sie erspart Dir eine Erfahrung, die euch am Ende beide zurückwerfen würde.
Im ersten Moment mag es sich wie eine endlose Reise anfühlen, Deiner Katze den Schrecken von etwas Unbekanntem zu nehmen. Doch jede angenehme Erfahrung, die sie macht, wirkt sich positiv auf die nächste Lernsituation aus und hilft ihr die weiteren Schritte schneller zu gehen. Am Anfang mag es also etwas dauern, bis sie sich auf die Übungen einlässt, mit jedem weiteren Tag versteht sie aber besser, was Du ihr zeigen willst und kann sich schneller auf die Situation einlassen.
Kinder haben allerdings selten Lust, mehrere Tage auf ihr Spielzeug zu warten. Falls Dein Kind also gleich losspielen will, achte darauf, dass Deine Katze in dem Moment einen sicheren und ungestörten Rückzugsort hat und den Raum jederzeit verlassen kann. Die kleinen Schritte holst Du nach, wenn es bei euch ruhiger ist.
Wie kannst Du gezielt Neues üben?
Vielleicht denkst Du jetzt, dass sich das alles nur üben lässt, wenn tatsächlich etwas Neues ansteht. Das stimmt aber nicht. Du kannst diese Gelegenheiten selbst schaffen, und zwar in einem Umfang, den Du bestimmst. Z.B. eignet sich sehr gut ein leerer Karton, der einige Zeit im Wohnzimmer steht, oder ein Kleidungsstück mit dem Geruch Deines Kindes, das Du auf den Kratzbaum legst. Auch Einkaufstüten eignen sich hervorragend als Erkundungsobjekte – achte aber unbedingt darauf, die Henkel durchzutrennen, da hier die Gefahr besteht, dass Deine Katze sich strangulieren kann. Manchmal reicht es auch schon, wenn ein Stuhl an einer anderen Stelle steht. In jedem Fall macht Deine Katze eine neue Erfahrung und lernt dabei ein sich wiederholendes Muster: Hier ist etwas anders, ich kann es in meinem Tempo prüfen, und am Ende geht es gut für mich aus. Darauf kann sie zurückgreifen, wenn irgendwann eine Veränderung kommt, die Du Dir nicht ausgesucht hast.
Wie Du diese Schritte auf das Zusammenleben von Deiner Katze und Deinem Kind überträgst, habe ich in meinem kostenlosen Booklet „Katze liebt Kind“ für Dich aufgeschrieben – mit einer Situation, die Du direkt ausprobieren kannst.

Wie berücksichtige ich mein Kind, wenn ich meine Katze an Neues gewöhne?
Damit Dein Kind für Deine Katze nicht dauerhaft eine Ankündigung für unangenehme Situationen ist, braucht Deine Katze positive Erlebnisse mit ihm. Diese gestaltest Du wie zuvor besprochen sehr bewusst und in kleinen Schritten. Aber auch andersherum ist es wichtig, dass Du darauf achtest, dass Dein Kind Deine Katze nicht als Verbotszone erlebt. Dafür ist es sehr gut, wenn Du Deinem Kind eine altersgerechte Aufgabe überträgst, die es für Deine Katze ausführen kann, ohne dabei zu nah an Deine Katze heranzutreten. Wichtig: Eine Aufgabe übertragen bedeutet nicht, die Verantwortung abzugeben. Auch Dein Kind braucht die Erfahrung, dass seine Meinung zählt und es eine echte Wahl hat „Nein“ zu sagen, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen.
Je nach Alter kann Dein Kind dabei helfen, Leckerli in Fummelbretter zu füllen, Futter in Schränke zu räumen, den Wassernapf aufzufüllen oder auch neues Spielzeug auszuwählen. Vielleicht hat Dein Kind Freude an Musik und Du kannst es dafür begeistern, auch für eure Katze spezielle Entspannungsmusik auszuwählen? Die Frequenzen liegen in etwa im Bereich der Wellness-Musik. Besonders hilfreich ist sie an stürmischen Tagen, wenn es draußen laut ist und Deine Katze sich stattdessen auf die Geräusche in ihrer direkten Umgebung konzentrieren kann. Damit der Effekt weiterhin positiv bleibt, sollte die Musik auch in tatsächlich ruhigen Momenten abgespielt werden. Die Erfahrung der einen Situation überträgt sich auf die andere.
FAQ & Mythen
Mein Kind ist noch klein. Kann ich überhaupt schon etwas tun, um meine Katze an mein Kind zu gewöhnen?
Ja, und je früher Du anfängst, desto selbstverständlicher wird es für euch alle, dass ihr bewusster miteinander umgeht. Bei jüngeren Kindern sind visuelle Hilfsmittel sehr wertvoll, die Deinem Kind ohne viele Worte Orientierung geben. Z.B. können Schwimmnudeln als optische Barriere zum Kratzbaum anzeigen, bis wohin Dein Kind gehen darf und ab wann der Ruhebereich Deiner Katze beginnt. Wenn Dein Kind älter wird, kannst Du es kognitiver ansprechen und ihm erklären, dass z.B. die Schlafplätze ungestört bleiben oder dass Deine Katze jederzeit gehen darf und dies keine Ablehnung bedeutet.
Ist es zu spät, meine Katze an Neues zu gewöhnen, wenn sie schon älter ist?
Nein. Lernen ist keine Frage des Alters. Deine Katze lernt ihr Leben lang. Jedoch sind bei einer älteren Katze die Schritte kleiner und es braucht mehr Wiederholungen, weil sie über Jahre bestätigt bekommen hat, dass ihre bisherige Einschätzung stimmt. Achte außerdem darauf, ob Schmerzen oder nachlassende Sinne das Wohlbefinden Deiner Katze beeinträchtigen, da beides ihre Reizschwelle und damit ihre Bereitschaft, Neuem zu begegnen, senkt. Bei plötzlichen Veränderungen im Verhalten gehört immer eine tierärztliche Abklärung an den Anfang.
Wie lange dauert es, bis eine Katze sich an etwas Neues gewöhnt?
Das hängt davon ab, wie groß die Veränderung für Deine Katze ist und was sie an Erfahrungen und Genetik mitbringt. Bei neuen Möbelstücken liegt die Spannweite von wenigen Tagen bis zu einigen Monaten. Bei Dingen, die sie unmittelbar betreffen, wie ein Umzug oder ein neues Familienmitglied, rechne ich eher in Wochen bis Monaten. Wichtiger als die Dauer ist jedoch die Richtung, in der Deine Katze sich entwickelt: Wenn Deine Katze von Tag zu Tag oder Woche zu Woche etwas näher kommt, etwas länger bleibt oder etwas gelassener reagiert, läuft es gut.
Fazit: Was Du heute tun kannst
Deine Katze lernt neue Situationen zu bestehen, indem sie diese in kleinen Schritten erlebt und jeder einzelne davon gut für sie ausgeht. Deine Aufgabe ist es, jede Situation in so kleine Schritte zu zerlegen, dass Deine Katze unterhalb ihrer Reizschwelle bleibt und gar nicht in Angst geraten muss.
Die sieben Schritte am Spielzeug sind ein Beispiel. Das Muster dahinter kannst Du aber auf alle Situationen übertragen, die ihr im Alltag erlebt. Neue Gegenstände lässt Du zunächst an einem uninteressanten Ort liegen, verbindest sie anschließend mit etwas Angenehmem und wählst dabei jeweils eine Eigenschaft des Gegenstandes nach der anderen, die Deine Katze kennenlernen soll. Anschließend kombinierst Du die Eigenschaften und achtest gleichzeitig darauf, dass die Gesamtsumme der Reize unterhalb der Reizschwelle bleibt, d.h. unterhalb der Grenze, ab der Deine Katze die Situation verlassen würde. Ganz zum Schluss nimmst Du Dein Kind dazu und beginnst wieder von vorne, den neuen Gegenstand Deiner Katze in der nun veränderten Situation zu präsentieren.
Eingangs erzählte ich von Levi, der als Päppelbaby seit seinen ersten Lebenstagen bei uns ist und somit eigentlich eine gute Sozialisierungsphase erlebt hat. Dennoch bringt er eine gewisse Vorgeschichte mit, die wir einfach berücksichtigen müssen. Unser Jüngster geht sehr gut auf Levi ein und zeigt ihm viele neue Dinge in einem sehr moderaten Maß, so dass es für Levi gut machbar ist, sich auf Neues einzulassen. Die wiederholten Erfahrungen geben ihm das Gefühl von Sicherheit: Er kann sich die Situation in seinem Tempo anschauen und hat eine echte Wahl, wie viel er sich zutraut und in welchem Tempo er vorangeht.
Wenn Du gerade merkst, dass Deine Katze schon vor dem ersten Schritt aussteigt, beginne eine Ebene früher. Hier habe ich Dir die Hintergründe aufgeschrieben, warum Deine Katze mit Angst auf Neues reagiert.





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