Mein Weg zur Katze begann nicht mit einer Katze

Aug., 2026 | Persönliches

Wer heute weiß, dass ich mit Katzen arbeite, könnte vermuten, dass alles mit einer Katze begann. Aber das stimmt nicht. Katzen gehörten zu unserer Familie, keine Frage – Maine Coon, Heilige Birma, ein Perser-Notfell, Norwegische Waldkatzen und ganz gewöhnliche Hauskatzen liefen bei uns ein und aus. (Die EKH, die Europäisch Kurzhaar, ist eine echte Rasse mit eigenem Zuchtstandard. Unsere bunt gemischten Stubentiger sind in der Regel einfach Hauskatzen ohne Papiere. Sie sind nicht die EKH, auch wenn viele die Bezeichnungen durcheinanderwerfen.)

Aber Katzen waren nur ein Teil einer viel größeren Vielfalt. Über viele Jahre lebten unterschiedliche Arten bei uns: ein Papagei und mehrere Wellensittiche, Fische im Aquarium und im Teich, eine Schildkröte, eine Vogelspinne, Bartagamen, Kaninchen, Meerschweinchen, Hühner, Hunde, eine Ziege namens Arthur, die später ein besseres Zuhause fand, weil sie bei uns einfach einsam war – und Mäuse, Ratten, Schlangen. Als Kinder wuchsen wir ganz natürlich in die Pflege und Versorgung hinein. Einige dieser Tiere begeisterten mich sehr, andere weniger.

Dieser Artikel ist mein eigener Beitrag zu meiner Blogparade „Mein Tier und ich – eine Verbindung, die mein Leben verändert(e)“. Wenn Du magst, erzähle gerne Deine Geschichte. Wie das geht, liest Du in meinem Aufruf zur Blogparade: Mein Tier und ich – eine Verbindung, die mein Leben verändert(e)

Was mich wirklich fesselte

Die Fische zum Beispiel faszinierten mich wirklich. Ich habe lange darüber nachgedacht, wie viel Platz sie brauchen, welche Arten überhaupt zusammenpassen, wie ich das Aquarium abwechslungsreich gestalten kann. Meine Mutter hatte ein riesiges Aquarium im Wohnzimmer, und ich konnte stundenlang zusehen, wie die Fische darin schwammen. Das beruhigte mich einfach. Allerdings hatte ich überhaupt keine Lust, wenn wir das Aquarium sauber machen und das Wasser wechseln mussten: Dafür saugten wir das Wasser mit einem Schlauch ab, und wer nicht schnell genug war, schluckte eben „Fischsuppe“. Das ist eine Erinnerung, die mir bis heute übel aufstößt.

Unsere Dogge Ronja, unser „Riesenkalb“, war herzallerliebst und treudoof, und es tat wirklich weh, als sie nicht mehr da war. Die Tierarztbesuche mit ihr (und auch den anderen Tieren) haben mich früh gelehrt, dass ein Tier zu haben vor allem Verantwortung bedeutet. Dafür sorgte auch eine Vorgabe unserer Mutter: Wenn wir selbst ein Tier haben wollten, mussten wir uns vorher so einiges anlesen und unserer Mutter zeigen, dass wir wirklich verstanden hatten, worum es geht. Tierhaltung ist eben nicht „süß und niedlich“, sie ist in erster Linie ein Dienst am Tier.

Die Mäuse auf dem Küchentisch

Der Verlust

Als junger Teenie erbettelte ich mir bei meiner Mutter ein paar Futtermäuse-Babys, die eigentlich für ihre Schlangen gedacht waren. Ich fütterte sie durch, drei Tage lang, dann musste ich wieder zur Schule und bat meine Mutter, in der Zwischenzeit auf sie aufzupassen. Als ich am Nachmittag nach Hause kam, stand ein Käfig mit drei weißen Mäusen auf dem Küchentisch. Ich wusste sofort, was geschehen war. Ich suchte trotzdem nach meinen Mäusebabys, obwohl ich es eigentlich schon wusste, und war am Boden zerstört. Meine Mutter war genauso traurig und traute sich kaum, mir zu erzählen, was passiert war.

Der Neuanfang

Ich hatte wirklich Probleme, die neuen Mäuse zu akzeptieren. Für mich gab es keinen Ersatz. Und bis heute denke ich, dass ein Tier sich nicht gegen ein anderes tauschen lässt. Vielleicht hätte ich es sogar leichter ertragen, wenn meine Mutter einfach keine neuen Mäuse geholt hätte. So musste ich zur Trauer um meine Babys noch mit einem Ersatz zurechtkommen, den ich gar nicht wollte. Ein paar Tage lang versorgte ich die neuen Mäuse nur pflichtbewusst, mehr nicht. Ich musste mich richtig dazu durchringen, in ihnen mehr zu sehen als das.

Nach etwa einer Woche, während ich die Einstreu wechselte, setzte ich die weißen Mäuse dafür kurz in einen Karton um und beobachtete, wie sie sich darin zurechtfanden. Das war der Moment, in dem etwas in mir wach wurde, das mich seitdem nicht mehr losgelassen hat: Ich begann, Verhalten zu beobachten. Die Mäuse wurden zunächst zu meinen kleinen Studienobjekten. Ich baute ihnen immer neue Wege, stellte sie vor kleine Herausforderungen, um an ihr Futter zu kommen, und las Bücher über Mäuse und Ratten. Ich war fasziniert, wie klug diese kleinen Tiere sind. Nach und nach zogen weitere Mäuse und später Ratten bei mir ein, und mit jedem von ihnen wuchs eine kleine Beziehung zu diesen possierlichen Wesen. Ihre Lebenserwartung ist nicht besonders hoch, also lernte ich nebenbei auch, was es heißt, Abschied zu nehmen.

Verstehen. Handeln. Leben.

Aber vor allem verstand ich damals etwas, das mich bis heute trägt: Verhalten hat immer einen Grund und es lässt sich formen. Tiere können lernen und dadurch flexibel reagieren, je nachdem, was die Situation von ihnen verlangt. Dadurch werden sie selbstbewusster und entspannter, weil sie Vertrauen in bisherige Erfahrungen und ihre eigenen Fähigkeiten entwickeln können. Viele Jahre später sollte ich diese Erfahrungen für meine Arbeit mit Katzen nutzen können. Aber wie genau lernen Tiere? Noch war es reines Beobachten und Ausprobieren.

Hätte ich damals gewusst, dass es ein Fach wie Ethologie gibt, hätte ich meinen Traumberuf wahrscheinlich viel früher gefunden. Ich wäre direkt in die Verhaltensforschung gegangen, und vor allem in die Praxis. Denn Wissen allein verändert noch kein Verhalten. Es ist nur der erste Schritt. Einen Unterschied macht es erst, wenn aus dem Verstehen ein Handeln wird, damit man leben kann. Verstehen. Handeln. Leben. – das ist bis heute mein Weg. Doch noch etwas bahnte sich an, auch wenn ich dessen Bedeutung damals nicht erkennen konnte.

In meiner Jugend kamen die ersten Hundeschulen auf. Sie waren noch nicht wirklich anerkannt, und ihre Bekanntheit und Relevanz hielten sich noch in Grenzen. Meine älteste Schwester ging mit ihrem Airedale Terrier Bronja in eine Hundeschule, und ich erinnere mich noch genau, wie skeptisch wir uns damals angeschaut haben – wozu sollte das denn nötig sein? Genau diese Blicke sehe ich heute noch, wenn ich davon erzähle, dass auch Katzen von Training profitieren. Und die Erinnerung an unsere Skepsis hilft mir heute, Verständnis für die Katzenhalter*innen zu haben, die ebenfalls vor diesem Wandel stehen. Gleichzeitig hoffe ich, dass es in wenigen Jahren genauso gesellschaftlich etabliert ist, seine Katze auf ein Leben mit uns Menschen vorzubereiten, wie es bei Hunden mittlerweile schon deutlich besser geworden ist.

Mein Weg zu den Tieren, und irgendwann auch zu den Katzen, begann also nicht mit einer Katze. Er begann mit drei kleinen Mäusen auf einem Küchentisch und der Trauer um drei andere, die ich nie ersetzen werde.

Was ist Deine Geschichte?

Das ist die Frage meiner Blogparade „Mein Tier und ich – eine Verbindung, die mein Leben verändert(e)“ . Bis zum 16. August 2026 kannst Du mit Deiner eigenen Geschichte mitmachen.

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Hi, ich bin Mara

Hi, ich bin Mara

Als Katzenverhaltensberaterin & Pädagogin begleite ich Dich dabei, Deine Katze auf Augenhöhe zu verstehen und eine Beziehung zu gestalten, die auf Respekt und Vertrauen beruht.

Mein Augenmerk liegt besonders auf Katzen in Familien mit Kindern – gerade dort, wo der Alltag oft hektisch und herausfordernd ist.

Ich helfe Dir, Missverständnisse aufzulösen und eine echte Verbindung zwischen euch zu gestalten – mit alltagstauglichen Schritten, die sich unkompliziert in Dein Familienleben integrieren lassen. Gemeinsam schaffen wir einen entspannten Alltag mit Nähe, Spiel und Geborgenheit.

Kommentare zum Beitrag

1 Kommentar

  1. Hallo Mara,

    bei mir war es ähnlich: mein Weg zu Hunden als meine Lebensbegleiter begann nicht mit einem Hund, sondern mit vielen anderen Tieren: Kaninchen, Familienhund, Zebrafinken, Pferden, Ponies und Stallkatzen.

    Ich drücke die Daumen, dass das Katzentraining und die Katzenverhaltensberatung bald aus ihrer Nische heraustreten und als ganz normale Angebote für Katzenmenschen ihren Platz finden. So viele Katzen wären glücklicher, zufriedener und könnten artgerechter leben, wenn Menschen durch entsprechende Angebote ihre Katze besser verstehen würden.

    Viele Grüße
    Johanna

    Antworten

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