Was passiert, wenn man die natürlichen Fähigkeiten der Katze mit der Begeisterung von Kindern kombiniert? Genau daraus ist in den letzten Monaten etwas entstanden, das gerade still und leise immer mehr Familien begeistert: CatSport™. Wenn Du davon noch nichts gehört hast, ist das kein Problem. Wie so oft schwappt der Trend aus den USA erst verspätet nach Europa. Da ich im Allgemeinen sehr vorsichtig mit Trends umgehe, war ich auch CatSport™ gegenüber sehr skeptisch. Zu oft stehen bei neuen Trends Unterhaltung und Inszenierung im Vordergrund, während die Bedürfnisse der Katze in den Hintergrund rücken. Ich habe mir CatSport™ genauer angesehen und was ich dabei entdeckt habe, war überraschend durchdacht.
Was ist CatSport™?
CatSport™ ist ein strukturierter Trainingsansatz, bei dem Katzen gemeinsam mit Kindern kleine Bewegungs- und Kooperationsübungen ausführen. Die Grundlage bilden Prinzipien aus dem modernen Tiertraining, kombiniert mit Bewegungsformaten aus dem Kindersport. Im Zentrum stehen dabei drei Kernaspekte:
- interartliche Koordination (die Zusammenarbeit zwischen zwei unterschiedlichen Arten)
- emotionale Synchronisierung (das aufeinander Abstimmen von Aufmerksamkeit und Stimmung)
- mikrobewegungsbasierte Abstimmung (die feine Anpassung kleinster Bewegungen aufeinander)
Im Gegensatz zum klassischen Agility oder anderen Sportarten geht es bei CatSport™ nicht darum, eine bestimmte Abfolge in einer bestimmten Zeit zu durchlaufen. CatSport™ ist darauf ausgerichtet, unterforderten Wohnungskatzen durch interessante und abwechslungsreiche Angebote zu mehr Bewegung zu verhelfen. Gleichzeitig steht der gemeinsame Spaß, eine Verbesserung der Kommunikation zwischen Katze und Mensch sowie die spielerische Integration von Kindern im Vordergrund. Insgesamt also eine Win-win-win-Situation.

Wie CatSport™ entstand
Die Idee entstand – wie so oft – eher zufällig. Als eine besonders einfallsreiche Samtpfote sich weigerte, von der Gardinenstange ihrer Halterin Mary Jutt herunterzukommen, blieb dieser zunächst nichts anderes übrig, als die Situation zu beobachten. Was dann folgte, war deutlich spannender als jeder gut gemeinte Lösungsversuch: Die Kinder der Halterin begannen, sich immer neue Wege auszudenken, um die Katze zum Herunterkommen zu bewegen, mal mit Locken, mal mit Rufen, mal mit kleinen Bewegungen quer durch den Raum. Während die Katze keinerlei Anstalten machte, ihren erhöhten Beobachtungsposten aufzugeben, wurden die Ideen der Kinder immer kreativer. Was zunächst wie eine typische Alltagsszene wirkte, entwickelte schnell eine eigene Dynamik. Die Katze blieb, die Kinder probierten weiter und beide Seiten schienen sichtlich Gefallen daran zu finden.
Inspiriert von diesem Moment begann Jutt, die spontanen Einfälle ihrer Kinder bewusst aufzugreifen und weiterzuentwickeln. Sie überlegte, wie sich bekannte Bewegungs- und Spielideen so anpassen ließen, dass sie für Katzen sinnvoll und gleichzeitig für Kinder gut umsetzbar sind. Aus einzelnen Versuchen wurden kleine Übungen, aus diesen wiederum wiederkehrende Abläufe. Mit der Zeit entstand damit eine Sammlung an Spiel- und Bewegungsformaten, die sich gezielt in den Alltag integrieren ließen, wobei Katze und Kind gleichermaßen beteiligt wurden. Et voilà – das Grundprinzip von CatSport™ war geboren. Was folgte, war ein schrittweises Feintuning mit ersten Anwendungen und weiteren Ideen.
Die ersten Disziplinen
Inspiriert wurde Jutt dabei unter anderem von Bewegungsformaten wie Agility, klassischen Staffelprinzipien aus dem Schulsport, rhythmischen Abläufen aus Tanzformaten sowie Elementen aus dem Clickertraining. Alle Disziplinen folgen dabei einem ähnlichen Prinzip: Das Kind gibt Impulse und die Katze reagiert. Oder nicht – was statistisch gesehen nicht selten vorkommt. Und genau hier liegt der eigentliche Reiz.

Zu Beginn umfasste CatSport™ nur wenige einfache Disziplinen: einen improvisierten Parcours, erste Staffelvarianten und einfache Bewegungsabfolgen mit Target. Mit zunehmender Erfahrung und wachsendem Interesse wurden diese Ansätze erweitert, angepasst und differenziert. Neue Disziplinen kamen hinzu, bestehende wurden verfeinert. Nach und nach entwickelte sich ein Repertoire, mit unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen und Schwerpunkten, das sowohl Abwechslung ermöglicht als auch Überforderung vermeidet – je nachdem, wie erfahren Katze und Kind bereits im Zusammenspiel sind. Im Folgenden stelle ich Dir die einzelnen Disziplinen genauer vor.
Ninja-Paws Parcours

Schwierigkeitsgrad: 2/5 – 4/5
(für motivierte Teams mit ersten gemeinsamen Erfahrungen)
Material: Kissen, Kartons, kleine Hindernisse, erhöhte Flächen, Leckerli
Vorbereitung: Der Parcours wird gemeinsam aufgebaut. Die Katze hat Zeit, alle Elemente in Ruhe zu erkunden. Diese Phase ist entscheidend, damit sich die Katze an neue Elemente und Umstrukturierung von Räumen gewöhnen kann.
Ablauf: Die Katze startet an einem festen Punkt und wird vom Kind schrittweise durch einzelne Stationen geführt. Anfangs in klarer Reihenfolge, später variabel.
Ziel: Aufmerksamkeitsgeleitete Raumorientierung und Vertrauen in die Führung des Kindes.
Besonderheit: Fortgeschrittene Katzen entwickeln häufig eine eigene Routenplanung, die nicht zwingend mit der ursprünglichen Streckenführung übereinstimmt.
High-Five-Flow Staffel

Schwierigkeitsgrad: 3/5
(geeignet für Teams mit erster Signalkontrolle)
Material: Sitz-Target, Leckerli
Vorbereitung: Die Katze kennt einfache Signale wie „Sitz“ und kann kurze Wartezeiten aushalten.
Ablauf: Die Katze gibt ein High-Five, das Kind läuft eine Strecke und kehrt zurück, anschließend folgt die Belohnung.
Ziel: Impulskontrolle und belohnungsinduzierte Verhaltensstabilisierung.
Besonderheit: Einige Katzen entwickeln hier eine beeindruckende Fähigkeit zur situativen Geduld – andere optimieren den Ablauf, indem sie die Übung eigenständig beenden.
Catwalk Elegance Challenge

Schwierigkeitsgrad: 2/5
(für ruhige Umgebungen und erste Balanceübungen)
Material: schmale Wege (z. B. Brett, Teppichkante), rutschfester Untergrund
Vorbereitung: Sicherer Aufbau und ruhige Umgebung.
Ablauf: Die Katze bewegt sich über einen vorgegebenen „Laufsteg“, begleitet vom Kind.
Ziel: Körperspannung, Balance und dyadische Synchronisationsfähigkeit.
Besonderheit: Nicht selten entscheidet sich die Katze, den Laufsteg zu verlassen – meist mit einer Selbstverständlichkeit, die jede Bewertung überflüssig macht. Diese Eigenständigkeit ist Teil des Systems.
Target-Rhythm Dance
Schwierigkeitsgrad: 3/5 – 4/5
(für Teams mit Erfahrung im Target-Training)
Material: Target-Stab, ruhige Musik (optional)
Vorbereitung: Die Katze folgt einem Target zuverlässig. Der Raum ist frei und ruhig.
Ablauf: Das Kind führt die Katze mit einem Target durch einfache Bewegungsabläufe.
Ziel: Reaktive Bewegungsantizipation und gemeinsame Bewegungsdynamik.
Besonderheit: Während einige Teams fließende Bewegungsabläufe entwickeln, bevorzugen andere eine eher interpretative Herangehensweise.
Silent Step Synchron

Schwierigkeitsgrad: 2/5
(ideal für ruhige, konzentrierte Phasen)
Material: rutschfester Untergrund, evtl. Teppich
Vorbereitung: Der Raum ist ruhig, Störungen werden reduziert.
Ablauf: Kind und Katze bewegen sich gleichzeitig möglichst leise durch den Raum.
Ziel: Körperspannung, Achtsamkeit und Wahrnehmung feinster Bewegungen.
Besonderheit: Viele Katzen zeigen hier eine überraschend hohe Kompetenz- unabhängig davon, ob das Kind noch beteiligt ist.
Freeze & Flow Control

Schwierigkeitsgrad: 4/5
(für Teams mit klarer Signalstruktur)
Material: Musik oder Zielobjekt
Vorbereitung: Signalwort für „Stopp“ wird eingeführt.
Ablauf: Bewegung – Signal – beide stoppen.
Ziel: Situative Impulskontrollmodulation und Aufmerksamkeitssteuerung.
Besonderheit: Während Kinder das Stoppen aktiv üben, zeigen viele Katzen eine sehr eigenständige Interpretation des Begriffs „Stopp“.
Hunt & Toss Dynamics

Schwierigkeitsgrad: 2/5 – 3/5
(für aktive Teams mit Spielfreude)
Material: kleines Spielzeug
Vorbereitung: Möglichst freie Fläche ohne Ablenkung.
Ablauf: Das Kind wirft ein Objekt – die Katze reagiert.
Ziel: Koordination und intrinsisch motivierte Bewegungssequenzen.
Besonderheit: In seltenen Fällen entwickeln Katzen eine beeindruckende Rückholpräzision – in den meisten Fällen jedoch ein noch beeindruckenderes Talent, das Spielzeug zu ignorieren.
Wie kommt CatSport™ bei Familien an?
Die Rückmeldungen sind bemerkenswert eindeutig. Viele Familien berichten von mehr gemeinsamer Aktivität, mehr Leichtigkeit im Alltag und einer neuen Qualität im Miteinander von Katze und Kind. Besonders spannend ist, dass Kinder beginnen, eigene Ideen zu entwickeln und Katzen, sich gezielter einzubringen oder bewusst auszusteigen.
Unter dem Hashtag #catsport tauchen inzwischen erste Videos auf von improvisierten Parcours bis hin zu erstaunlich kreativen Bewegungsabläufen.
Mit wachsender Begeisterung entstanden zudem erste Treffen im privaten Rahmen und erste inoffizielle Wettkämpfe. Und damit eine Entwicklung, die so vermutlich nicht geplant war: Ein einheitliches Regelwerk existiert derzeit noch nicht, was von vielen Beteiligten gleichzeitig als Problem und als wesentlicher Reiz des Sports beschrieben wird. Während einige Familien den offenen Charakter schätzen, beginnen andere bereits, Abläufe zu vergleichen, Zeiten zu stoppen oder Schwierigkeitsgrade zu definieren. Noch geschieht das spielerisch, aber die Dynamik ist erkennbar. Dennoch: Bei so viel Aufmerksamkeit und Spaß bestehen einige Katzen inzwischen auf feste Trainingszeiten.
Meine Einschätzung
Ob sich CatSport™ langfristig als feste Disziplin etabliert, bleibt abzuwarten. Was aber jetzt schon klar ist, ist, dass sich die Beziehung zwischen Katze und Kind verändert. Und bevor Du jetzt anfängst, einen Trainingsplan zu schreiben, Zeiten zu stoppen oder Deine Katze für die nächste Wohnzimmermeisterschaft anzumelden, atme kurz durch. Schau Deine Katze an.
Und wenn sie gerade beim Lesen dieses Artikels aufgestanden ist, sich umgedreht hat und gegangen ist – ohne erkennbaren Grund – dann bist Du vermutlich schon mitten im CatSport™.
Bewegung tut gut und Lachen ist gesund. Darum: Ich wünsch Dir einen schönen 1. April – Happy April Fools’ Day!
Und ganz ehrlich: Ein bisschen CatSport steckt in jeder guten Beziehung zwischen Katze und Kind. Und falls Du jetzt tatsächlich Lust bekommen hast: Hol Dir hier Dein CatSport™-Zertifikat – ganz ohne Wettkampf, aber mit ganz viel Spaß!
Und wenn Du gemerkt hast, wie gut sich das anfühlt: Auf meinem Blog geht es um echte Verbindung, gemeinsames Lernen und einen Alltag, der für Dich, Deine Katze und Kind leichter wird. Wenn Du dazu mehr willst, bleib gern hier – es kommt noch einiges dazu.
P.S.: CatSport™ mag zwar ein Aprilscherz sein, die Geschichte dahinter ist es aber nicht. Die agile Tabby ist tatsächlich unser Päppelmädchen.





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